Nobelpreisträger John Jumper wechselt von Google DeepMind zu Anthropic

Nobelpreisträger John Jumper wechselt von Google DeepMind zu Anthropic
Illustrationen erstellt mit KI-Bildgenerierung

Anthropic holt mit John Jumper einen der bekanntesten KI-Forscher von Google DeepMind. Der Wechsel eines Nobelpreisträgers verschärft den Wettbewerb um Spitzenpersonal in der KI-Branche, während Anbieter ihre Modelle und Werkzeuge für Unternehmen schneller ausbauen.

John Jumper kündigte den Wechsel am Freitag, 20. Juni 2026, nach „fast 9 Jahren“ bei Google DeepMind an, wie TechCrunch berichtet. In einem auf X veröffentlichten Statement dankte er DeepMind-Chef Demis Hassabis für die Chance, das AlphaFold-Team nur sechs Monate nach seiner Promotion zu leiten. Jumper schrieb, DeepMind sei „ein besonderer Ort“. Anthropic gewinnt damit einen Forscher, der 2024 gemeinsam mit Hassabis den Nobelpreis für Chemie erhielt.

AlphaFold als Karrieresprung

Jumper und Hassabis wurden 2024 für AlphaFold ausgezeichnet, ein KI-Modell zur Vorhersage von 3D-Proteinstrukturen aus genetischen Sequenzen. Die Auszeichnung machte Jumper weit über die KI-Forschung hinaus bekannt. Laut dem Nobelkomitee veränderte AlphaFold die biochemische Forschung grundlegend. Für Anthropic ist der Zugang zu solchem Forschungspersonal strategisch wichtig, weil der Anbieter seine Modelle zuletzt stärker auf anspruchsvolle Unternehmensanwendungen und wissenschaftliche Aufgaben ausrichtete.

Der Wechsel fällt in eine Phase hoher Fluktuation unter prominenten KI-Forschern. TechCrunch verweist auf einen weiteren Abgang in derselben Woche: Character-AI-Mitgründer Noam Shazeer verlässt DeepMind und geht zu OpenAI. Damit verlieren Google und DeepMind binnen weniger Tage zwei bekannte Namen an direkte Rivalen. Der Wettbewerb verlagert sich damit noch stärker von Modellen und Rechenzentren auf einzelne Forscher mit nachweisbaren Durchbrüchen.

Druck auf Googles KI-Werkzeuge

Besonders bemerkenswert ist Jumpers Nähe zu Googles Coding-Produkten. Laut Bloomberg, auf das sich TechCrunch bezieht, gehörte er zu den Schlüsselfiguren bei der Entwicklung von Programmierwerkzeugen. Gerade in diesem Segment konkurrieren Google, Anthropic, OpenAI und Microsoft um Budgets in Unternehmen. Coding-Assistenten gelten als eines der wenigen KI-Felder mit klar messbarem Produktivitätsnutzen im Alltag von Wissensarbeitern.

Für Google kommt der Abgang zu einem ungünstigen Zeitpunkt. TechCrunch berichtet, dass sich die Coding-Tools des Konzerns bislang schwer an Unternehmen verkaufen ließen. Anthropic dagegen baut seine Position im Markt für LLM-gestützte Arbeitswerkzeuge seit Monaten aus. Der Personalwechsel betrifft damit nicht nur Grundlagenforschung, sondern auch den Markt für KI-Funktionen, die in Entwicklungsabteilungen und Bürosoftware eingesetzt werden.

Abgang nach fast neun Jahren

In seinem Statement lobte Jumper ausdrücklich Hassabis und das Team von Google DeepMind. „GDM is a special place“, schrieb er laut TechCrunch. Der Wechsel wurde am Freitag öffentlich, wenige Tage nach dem ebenfalls bekannt gewordenen Abgang von Noam Shazeer zu OpenAI.

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