Lancet-Studie: KI verbessert Darmkrebsvorsorge bei Lynch-Syndrom in Spezialzentren nicht

Lancet-Studie: KI verbessert Darmkrebsvorsorge bei Lynch-Syndrom in Spezialzentren nicht
Illustrationen erstellt mit KI-Bildgenerierung

Forschende aus Bonn, Leipzig und Amsterdam haben den KI-Einsatz in der Darmkrebsvorsorge bei Hochrisikopatienten untersucht. Das Ergebnis der nun veröffentlichten Lancet-Studie fällt ernüchternd aus: In spezialisierten Zentren brachte zusätzliche KI-Unterstützung keinen relevanten Vorteil.

Wie das Universitätsklinikum Bonn am 17. Juli 2026 mitteilte, analysierte die internationale CADLY2-Studie den Einsatz eines KI-gestützten Assistenzsystems bei Menschen mit genetisch gesichertem Lynch-Syndrom. Die Ergebnisse wurden laut UKB in The Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht. Untersucht wurde, ob während der Darmspiegelung mehr Adenome erkannt werden als bei einer hochwertigen Standardkoloskopie ohne KI-Unterstützung.

757 Patienten in neun Zentren

Für die Studie wurden 757 Menschen mit Lynch-Syndrom in neun spezialisierten Zentren in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Belgien untersucht. Das UKB und die Universität Bonn arbeiteten dabei mit der Universität Leipzig und dem Amsterdam UMC zusammen. Nach Angaben des UKB ist CADLY2 die bislang größte endoskopische Studie weltweit bei Menschen mit Lynch-Syndrom und zugleich die größte randomisierte Untersuchung zum Einsatz künstlicher Intelligenz in dieser Hochrisikogruppe.

Das Lynch-Syndrom betrifft schätzungsweise einen von 300 Menschen. Trotz regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen liegt das Lebenszeitrisiko für Darmkrebs bei vielen Betroffenen laut UKB bei etwa 50 Prozent. Co-Erstautor Robert Hüneburg erklärte: „Für sie ist jede Verbesserung der Vorsorge von großer Bedeutung“.

Erfahrung bleibt entscheidend

Die Auswertung zeigte laut UKB, dass mit zusätzlicher KI-Unterstützung in spezialisierten Zentren nicht mehr relevante Krebsvorstufen erkannt wurden als bei der Standardkoloskopie durch erfahrene Untersuchende. Die hohe Qualität der Untersuchungen habe nur wenig Raum für zusätzliche Verbesserungen durch die eingesetzte Technologie gelassen.

Co-Senior-Autor Jacob Nattermann sagte: „Moderne KI-Systeme führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen“. Initiiert und koordiniert wurde die Studie am Universitätsklinikum Bonn, das zugleich einen wesentlichen Anteil der eingeschlossenen Patientinnen und Patienten rekrutierte.

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