EU-Kommission will AWS und Microsoft Azure als Gatekeeper einstufen
Die EU-Kommission will die Cloud-Dienste von Amazon und Microsoft unter die strengeren Regeln des Digital Markets Act fassen. Das würde den Regulierungsrahmen für einen Kernmarkt der KI ausweiten und trifft mit AWS und Azure die zwei größten Cloud-Anbieter.
Die vorläufige Einschätzung stammt vom 25. Juni und betrifft Amazon Web Services und Microsoft Azure laut Reuters. Die Einstufung als „gatekeepers“ unter dem Digital Markets Act würde beiden Diensten strikte Pflichten auferlegen. Genannt werden Grenzen für Selbstbevorzugung sowie Vorgaben für Interoperabilität und Datenportabilität. Die Kommission stützt sich dabei auf eine sieben Monate lange Untersuchung. Bislang erfasste der DMA vor allem Suchmaschinen, soziale Netzwerke und App-Stores.
Cloud wird zum DMA-Fall
Mit der Ausweitung auf Cloud-Infrastruktur greift die EU in einen Bereich ein, den Reuters als kritisch für KI beschreibt. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen erklärte in einer Stellungnahme: „Cloud services have become a cornerstone of Europe’s economy“. Sie ergänzte, dass inzwischen mehr als die Hälfte der EU-Unternehmen auf Cloud-Dienste angewiesen sei. Zugleich verwies sie auf Rekordinvestitionen in öffentliche Cloud-Infrastruktur. Für die Kommission sind Cloud-Dienste damit nicht nur Infrastruktur, sondern auch Voraussetzung für KI-Anwendungen.
Als Gründe für die vorläufige Einstufung nennt die Kommission den Angaben zufolge den hohen Umsatz von AWS und Azure, größere operative Kapazitäten und Investitionen als bei Wettbewerbern sowie große und verfestigte Nutzerbasen. Hinzu kommen Lock-in-Effekte und hohe Wechselkosten. Außerdem verwies die Behörde auf KI-Werkzeuge und Partnerschaften beider Anbieter als entscheidenden Faktor bei der Beschaffung von Cloud-Leistungen.
Widerspruch von Amazon und Microsoft
Amazon kritisierte die Einschätzung der EU deutlich. Ein AWS-Sprecher sagte laut Reuters: „The EU already has comprehensive cloud regulation through the Data Act“. Eine zusätzliche Regulierung unter dem DMA gefährde europäische Wettbewerbsfähigkeit und den Zugang zu moderner Informationstechnologie. Amazon argumentiert zudem, die Bewertung ignoriere die Breite der Cloud-Angebote für europäische Kunden und könne Investitionen sowie Innovationen in Europa bremsen.
Google als Streitpunkt
Microsoft verwies in seiner Reaktion auf den Wettbewerber Google. Ein Sprecher erklärte laut Reuters: „We remain concerned that ignoring the growing power of Google Cloud and Gemini“. Damit macht Microsoft die ungleiche Behandlung von Cloud- und KI-Angeboten zum Argument gegen die vorläufige Entscheidung. Amazon und Microsoft können nun auf die vorläufigen Feststellungen der Kommission antworten, bevor in den kommenden Monaten eine endgültige Entscheidung fällt.
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