Anthropic lehnt Verbot offener KI-Gewichte ab und fordert schärfere Chip-Kontrollen

Anthropic lehnt Verbot offener KI-Gewichte ab und fordert schärfere Chip-Kontrollen
Illustrationen erstellt mit KI-Bildgenerierung

Anthropic hat sich gegen ein Verbot offener KI-Modelle mit frei verfügbaren Gewichten gestellt. Der Anbieter reagiert damit auf eine Debatte in den USA über chinesische Open-Weights-Modelle und grenzt sich zugleich von protektionistischen Forderungen ab.

In einem Beitrag vom 27. Juli 2026 schrieb Anthropic-Chef Dario Amodei, Anthropic habe „never advocated for a ban on open-weights models“. Zuvor hatten Berichte nahegelegt, dass US-Regierungsvertreter ein Verbot chinesischer Open-Weights-Modelle für US-Unternehmen erwägen. Zugleich hätten viele Technologieunternehmen einen Brief zur Unterstützung offener Gewichte unterzeichnet, schrieb Amodei.

Offene Gewichte als „public good“

Amodei bezeichnete Open-Weights-Modelle ohne gefährliche Fähigkeiten als „a public good“. Sie kosteten außer der nötigen Rechenleistung nichts und böten Unternehmen, Entwicklern und Forschern Nutzen. Ein Verbot für US-Unternehmen würde nach seiner Darstellung weder das wichtigste Sicherheitsrisiko noch Missbrauch wirksam adressieren. „Protectionist bans would not address my most serious national security concerns“, schrieb er in dem Beitrag.

Fokus auf Chips und Distillation

Als vorrangiges Risiko nannte Amodei autoritäre Regierungen, die leistungsfähigere KI-Modelle als die USA entwickeln und militärisch oder zur Repression einsetzen. Als zweites Risiko beschrieb er Cyberangriffe, biologische Angriffe und Alignment-Probleme. Offene Gewichte könnten hier riskanter sein als geschlossene Modelle, weil sich Guardrails schwerer durchsetzen ließen und veröffentlichte Gewichte nicht zurückgeholt werden könnten.

Statt eines Verbots fordert Anthropic drei Maßnahmen. Genannt werden in dem Beitrag ein Stopp für den Verkauf leistungsfähiger Chips und Chipfertigungsanlagen nach China, ein härteres Vorgehen gegen Schmuggel und Umgehungen sowie ein Vorgehen gegen industrielle Distillation. Distillation sei deutlich rechenökonomischer als das Training von Grund auf, schrieb Amodei.

Verweis auf US-Sicherheitsdebatte

Zur Einordnung verwies Amodei auf seinen Essay „The Adolescence of Technology“ von vor sechs Monaten sowie auf Aussagen von US-Vizepräsident Vance in Paris im vergangenen Jahr. Außerdem zitierte er die 2026 Annual Threat Assessment der US-Intelligence Community mit der Formulierung, der Fortschritt anderer Weltmächte bei KI fordere die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Vorteile der USA heraus.

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